Kein Nischencafé mehr

S.9_LesBar_Nov.2011 019An sechs Wochentagen bedient im barrierefreien Café LesBar in der Stuttgarter Stadtbibliothek ein freundliches Service-Team aus MitarbeiterInnen mit und ohne Behinderung. Der direkte Kontakt mit den Gästen ist manchmal eine Herausforderung, an der das Personal gerne wächst.

Von Ansgar Skoda. Dieser Artikel erschien erstmals in der Caritas vor Ort, Ausgabe 02/2014, Seite 9.

Ein begehrter Arbeitsplatz ist es, im 8. Stock der Stadtbibliothek zentral gelegenen Café LesBar zu bedienen. Aus hohen Fenstern eröffnet sich im lichten Café ein weiter Blick auf Stuttgart. Das Café mit 40 Sitzplätzen ermöglicht als Außenstelle der Neckartalwerkstätten Menschen mit Behinderung die Eingliederung in die Arbeitswelt. Von Montags bis Samstags hat es von zehn bis 18 Uhr geöffnet und zehn fest angestellte Beschäftigte arbeiten im Zwei-Schichten-Betrieb jeweils siebeneinhalb Stunden täglich.

Stadtbibliothek Stuttgart, Foto © CVS

Stadtbibliothek Stuttgart, Foto © CVS

Mit dem Umzug der Stuttgarter Zentralbücherei wurde das Café Ende 2011 gegründet, weil die Bibliotheksleitung ein soziales Projekt als Cafébetrieb in den Neubau integrieren wollte. Ein von unserem Verband zuvor als soziales Projekt betriebenes Bohnencafé war aufgrund der wenig zentralen Lage im Leonhardsviertel zuletzt nicht gut besucht. Deshalb wurde es nach einer Rücksprache mit allen Beteiligten in den Neubau der Bücherei verlagert. In der Anfangsphase hatte das nun initiierte Projekt LesBar jeden Tag 500 bis 600 Gäste, heute sind es immerhin 250 bis 350 BesucherInnen täglich. Auch mit dieser Anzahl sei das Café gut ausgelastet, erklärt Leiterin Daniela Marx, die ihren Meister im Hotel- und Gaststättenbereich machte. Behinderung ist kein Aushängeschild, so Marx. „Der Cafebetrieb mit Selbstbedienung funktioniert wie jeder andere auch. Wir brauchen vor allem zufriedene Gäste, die im besten Fall nichts merken.“

Markus Trump, Elefteria Koutsoulouda, Florian Wermuth und Daniela Marx (von links nach rechts) Foto © Ansgar Skoda

Markus Trump, Elefteria Koutsoulouda, Florian Wermuth und Daniela Marx (von links nach rechts) Foto © Ansgar Skoda

Die MitarbeiterInnen mit körperlichen und geistigen Behinderungen benötigen eine besondere Anleitung, die von Marx oder den Gruppenleitungen Roberto Wünsch und Alexander Blannarsch geleistet wird. In der Bibliothek treffen die MitarbeiterInnen mit Behinderung auf Bibliotheks- und CafébesucherInnen. Eine Schwierigkeit sei meist der Sozialkontakt, so Marx. Neue im Team wie etwa PraktikantInnen von den Neckartalwerkstätten erscheinen oft erst einmal introvertiert, verlieren jedoch durch Übung allmählich ihre Hemmschwellen beim Gästekontakt. Wenn die Café-MitarbeiterInnen hinter dem Tresen Kaffee eingießen, Kuchen auf Teller laden und Tische abräumen oder säubern sind sie routinemäßig im direkten Kontakt mit den Gästen. LesBar3Während Elefteria Koutsoulouda am liebsten hinter der Kasse arbeitet, machen Florian Wermuth gerade der Kontakt und das Bedienen der Gäste besonderen Spaß. Auch Markus Trump kommt gerne mit den Gästen ins Gespräch. Unerwartet viel Spaß macht die Lesepause im Café so oft auch den BesucherInnen.

Nach dem regulären Cafébetrieb finden in der LesBar übrigens auch regelmäßig Events wie etwa Lesungen von u. a. prominenten GegenwartsautorInnen statt. Auch dabei können Stuttgarter BürgerInnen das Café kennenlernen.

Auf der Homepage des Cafés finden Sie weitere Informationen über das Café, das Team und die Cafékarte.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s