Reiz, Nutzen und Gefahren sozialer Netzwerke

Menschen mit Behinderung können auf Facebook und Co oft barrierefreier als im Alltag kommunizieren. Wenig Bedenken haben sie meist hinsichtlich der Gefahren sozialer Netzwerke, wie etwa des Suchtpotentials.

Von Ansgar Skoda. Dieser Artikel erschien erstmals in der Caritas vor Ort, Ausgabe 02/2014, Seite 8.

S.8_Frau Klein NTW 006_üaDiana Hassel und Annalena Klein arbeiten gemeinsam in der Fertigung unserer Neckartalwerkstätten für Menschen mit Behinderung. Sie nutzen leidenschaftlich gerne soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp oder Youtube, um sich im Chat auszutauschen, sich zu informieren oder um Videos zu gucken und zu teilen. Nach der Arbeit sind oft über drei Stunden online. Manchmal schauen sie auch schon in der Mittagspause auf ihr Smartphone, um zu sehen, was ihre Facebook-Freunde so an Neuigkeiten posten.

Diana Hassel in den Neckartalwerkstätten, Foto © CVS

Diana Hassel in den Neckartalwerkstätten, Foto © CVS

Diana Hassel ist Epileptikerin und teilt in Facebook-Gruppen ihre Neugier für Wölfe oder Anime-Comics mit anderen NutzerInnen. Für den Austausch mit Menschen aus anderen Ländern nutzt sie Übersetzungsprogramme aus dem Internet. Die 20jährige Annalena Klein leidet unter der seltenen Krankheit Spina Bifida und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie ist ein großer Fußball-Fan, besucht Spiele des VfB im Stadion und pflegt über Facebook einen Chat-Kontakt mit Jugendspielern des VfB: „Wenn gerade eine bittere Niederlage war oder jemand verletzt wurde, frage ich nach oder versuche, die Spieler aufzubauen. Die freuen sich eigentlich immer.“ Manchmal kommen dann Fragen, warum sie auf ihrem Facebook-Profilbild in einem Rollstuhl sitze. „Dann berichte ich gerne über meine Krankheit“, so Klein. Es ärgert sie jedoch, dass sie auf Facebook regelmäßig von einer Dating App mit Flirtanfragen anderer NutzerInnen kontaktiert wird.

Annalena Klein mit ihrem Smartphone vor den Neckartalwerkstätten, Foto © AS

Annalena Klein mit ihrem Smartphone vor den Neckartalwerkstätten, Foto © AS

Singlebörsen oder integrierte Spiele nutzen soziale Netzwerke, um die NutzerInnen noch mehr an sich zu binden und so das Suchtpotenzial ihrer Netzwerke zu erhöhen. Sabine Braith, Leiterin unserer Bildungs- und Begegnungsstätte Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung, bedauert, dass das für Ende 2013 geplante Seminar „Facebook & Co“ aufgrund fehlender Anmeldungen nicht stattfand. Die komplexen Möglichkeiten des Internets und sozialer Medien eröffnen Menschen mit Behinderung Freiheiten, die sie zuvor nicht hatten. Doch ein reflektierter Umgang mit sozialen Medien ist wichtig, etwa indem man die Privatsphäre-Einstellungen überprüft und nur unverfängliche Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Viele der Treffpunkt-BesucherInnen kommunizieren motiviert und geschickt über soziale Netzwerke, ihr Umgang ist jedoch manchmal unachtsam. Es fällt schwer Grenzen zu ziehen, intime Informationen werden unreflektiert geteilt und es ist auch schade, wenn die Kommunikation einseitig verläuft, weil niemand Anteil nimmt. FreundInnen in sozialen Netzwerken müssen keine realen FreundInnen sein und so kann man sich hier natürlich auch mit Prominenten anfreunden. Die Selbstdarstellung im Internet sollte nicht zu sehr das eigene Selbstbild beeinflussen, da sie oft nur eine Facette der eigenen Persönlichkeit spiegeln kann.

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