Barrierefrei gesund? Ein Versprechen

von Regina Maurer und Jürgen Rost, Projektleitungen bei barrierefrei gesund

Projekt barrierefrei gesund1

Fachtag “barrierefrei gesund” am 26.11.2014

Im Falle von Krankheit greifen wir fast alle (…87% der Bevölkerung sind gesetzlich krankenversichert) auf die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung zurück. Geregelt wird die Gesetzliche Krankenversicherung (kurz: GKV) durch das SGB V. Es handelt sich um eine Solidargemeinschaft, die „die Aufgabe [hat], die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern“ (§1 SGB V). Nach §2a SGB V sind die besonderen Bedürfnisse und Interessen von Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung zu berücksichtigen.
Doch wie ist es in der Stadt Stuttgart tatsächlich um die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung bestellt?

gefördert durch die Aktion MenschMit der Unterstützung der Aktion Mensch hat unser Bereich Behindertenhilfe gemeinsam mit weiteren Trägern aus Stuttgart wie der Diakonie Stetten, dem bhz Stuttgart, der Lebenshilfe Stuttgart und den Liebenau Kliniken das Projekt „barrierefrei gesund“ auf den Weg gebracht.
Barrierefrei gesund? ist eine tägliche Fragestellung der sozialen Praxis in unseren Einrichtungen und Diensten. Doch genauso stellt sie sich Angehörigen und gesetzlichen Betreuern, ebenso wie Ärzten und andere medizinischen Versorgern.
Das Projekt barrierefrei gesund hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hürden und Hindernisse in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung aufzuzeigen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, diese Barrieren zu überwinden.
Im Zuge des Projekts ist es gelungen, mit Förderung von der Aktion Mensch eine breit angelegte sozialwissenschaftliche Studie durchzuführen und die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung in Stuttgart systematisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu durchleuchten. Durchgeführt wurde die barrierefrei gesund-Studie vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften (IfaS) in Stuttgart in einem Zeitraum von zwölf Monaten.

barrierefrei gesundInsgesamt haben mehr als 600 Menschen in Stuttgart an der barrierefrei gesund-Studie teilgenommen: Menschen mit einer geistigen Behinderung und Angehörige ebenso wie gesetzliche BetreuerInnen sowie Menschen, die beruflich in der Behindertenhilfe und im Gesundheitswesen tätig sind. In der Zusammenschau der Studienergebnisse entstand somit ein dichtes Bild über die Situation in Stuttgart aus unterschiedlichen Perspektiven.
Dabei liegt die große Chance der barrierefrei gesund-Studie hauptsächlich in zwei Punkten:
(1.) Erstens gibt es jetzt umfangreiche wissenschaftliche Belege dafür, welche Barrieren die größten Hindernisse in Stuttgart darstellen und
(2.) liefern die Daten konkrete Hinweise, wie diese Barrieren – ganz pragmatisch – überwunden werden können.
Für den Fall, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung im Krankheitsfall gesundheitliche Versorgung benötigen, gibt es in Stuttgart beides: behinderndes Nebeneinander und zukunftsfähiges Miteinander von Behindertenhilfe und Gesundheitswesen! Dabei repräsentiert das Stadtgebiet einen urbanen Ballungsraum mit einem vielfältigen Versorgungsangebot, wobei stets aktuelle Entwicklungen die Versorgungspraxis verändern.
Ein zentrales Ergebnis sei an dieser Stelle kurz gesagt: Angebotsvielfalt bedeutet keinesfalls Versorgungssicherheit! Auch in einem Sozialraum wie Stuttgart, mit einem umfangreichen und ausdifferenzierten Angebot an sozialen und gesundheitlichen Hilfen, werden Menschen mit einer geistigen Behinderung aus ganz unterschiedlichen Gründen daran gehindert, ihr Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung wahrnehmen zu können. (vgl. Schäfer-Walkmann, Traub, Häussermann, Walkmann, Caritasverband für Stuttgart e.V. 2015, barrierefrei gesund – Forschungsbericht)

Projekt barrierefrei gesund2

Fachtag “barrierefrei gesund” am 26.11.

Eine bessere gesundheitliche Versorgung für Menschen mit einer geistigen Behinderung in Stuttgart ist nun erklärtes Ziel in der Weiterarbeit des Projekts barrierefrei gesund.
Im zwischenzeitlich eingerichteten Projektbeirat arbeiten bereits sehr unterschiedliche Akteure aus sehr verschiedenen Organisationen, Bereichen und Kammern aus dem ganzen Stadtgebiet Stuttgart zusammen. Neben Vertretern der Stuttgarter Ärzteschaft, der Zahnärzteschaft, der Psychotherapeutenkammer, Vertretern zweier Kliniken in Stuttgart, der Kassenärztlichen Vereinigung BW, auch der AOK Stuttgart/Böblingen sitzen selbstverständlich VertreterInnen der Betroffenen, der Angehörigen und auch VertreternInnen aus der Kommunalen Ebene mit am Tisch, um nur einige zu nennen.

Wir alle wissen, dass im Gesundheitswesen ebenso wie in der Finanzierung der Behindertenhilfe über die Sozialämter kaum Spielräume für die Bezahlung neuer oder gar besonderer Leistungen bestehen. Umso spannender ist am Projekt barrierefrei gesund der Aufbruch der vielen Projektbeteiligten im Dialog. Alle Beteiligten hoffen, dass es über den Austausch, die gegenseitige Information und eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit aller gelingt, die Versorgungslage in unserem Gesundheitssystem für Menschen mit Behinderung tatsächlich zu verbessern. Der Anfang ist gemacht.

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