Machen Kleider Leute?

Der erste Eindruck entscheidet oft darüber, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. Gute oder schlechte Erfahrungen, unbewusste Vorurteile und der modische Zeitgeist spielen dabei eine große Rolle. Aber liegen wir damit immer richtig?

Von Gisela Vey. Dieser Artikel erschien erstmals in der Caritas vor Ort, Ausgabe 04/2014, Seite 6-7.

Wenige Sekunden reichen aus, um uns ein Bild vom Menschen gegenüber zu machen. Und in der Regel liegen wir damit gar nicht so falsch. Ob wir damit aber allen Menschen gerecht werden?

Kleidung bietet nicht nur Schutz vor Wind und Wetter, sondern hat immer auch persönliche und gesellschaftliche Komponenten. Für viele Menschen ist ein stylischer Look wesentlicher Bestandteil ihres Lebens. Neueste Trends müssen beachtet und angesagte Mode-Label unbedingt getragen werden. Mit Kleidung werden der soziale Status und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene gezeigt; sie soll aber auch der ganz persönliche Ausdruck eines individuellen Lebensgefühls sein.

Für andere ist Kleidung eher ein pragmatischer Gebrauchsgegenstand und unwichtige Äußerlichkeit. Bei Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, entspricht das äußere Erscheinungsbild oft nicht den aktuellen Modetrends. Wer mit wenig Geld auskommen muss, schiebt häufig den Frisörbesuch immer wieder hinaus. Wer nicht über ein gut gefülltes Portemonnaies verfügt, hat meist wenig Interesse an raffinierten Styling-Tipps.

Oder vielleicht doch? Für unseren Spendenaufruf, den wir im November verschickt haben, haben wir ein kleines Experiment gewagt. Ein Fotograf begleitete drei Männer aus Stuttgart, die arm und wohnungslos sind. Zum Frisör, in die Kleiderkammer unserer Tagesstätte in der Olgastraße und an Orte in Stuttgart, die eher dem gutsituierten Bürger offen stehen als Menschen von der Straße. Wandelt sich unser Blick auf diese Menschen?

Herausgekommen sind beeindruckende Bilder, die auch irritieren. Vorher – Nachher. Nicht so reißerisch wie in manchen Modemagazinen oder Fernsehshows, eher behutsam und mit bescheidenen Mitteln. Die äußerlichen Veränderungen sind gar nicht so gravierend: Ein sauber gestutzter Bart, ein frisches Hemd und ein Hintergrundmotiv, das Bildung und Wohlstand suggeriert. Lassen wir uns so leicht täuschen?

Anders ist es bei der Haltung und Ausstrahlung der Fotografierten. Eines wird hier ganz deutlich sichtbar: Die Veränderung im Außen wirkt nach innen, gibt Selbstwertgefühl und Würde zurück. Gehört man jetzt dazu?

[…]

Spendenprojekt2Kleider machen Leute heißt es in einer Erzählung. Und wie wahr das ist, kann man hier sehen. Ein schickes Jackett, ein sauberes Hemd und wir haben einen sympathisch wirkenden Mann mittleren Alters vor uns. Im Menschen den Menschen sehen, egal ob er gekleidet ist wie ein Bettler oder wie ein König. Schauen wir genau hin und geben damit Menschen eine Chance, die wir sonst vielleicht übersehen.

SpendenprojektNeben diesen Mann allerdings kann man sich gut vorstellen, im Café Platz zu nehmen, vielleicht sogar ein Gespräch anzufangen. Er wirkt gepflegt, hat einen, wie man so sagt, ordentlichen Haarschnitt. Alles ist ganz normal. Es ist wie wenn man an einem Bild ein paar Striche verändert und dadurch etwas ganz Neues entsteht. Wo vorher Ablehnung war, gibt es jetzt Raum für Begegnung.
Sopendenprojekt3Ein Gesicht zwei mögliche Geschichten: Hier der finster blickende Mann auf der Straße, dem wir alles zutrauen nur keine Verbindungen zur Kultur. Und daneben ein freundlich lächelnder Mann, der Künstler sein könnte, Professor oder ein begeisterter Galeriegänger. Erkennen wir wirklich immer gleich auf den ersten Blick, was in einem Menschen steckt, stecken kann? Unterstützen wir Menschen dabei, die Geschichten zu entdecken, die auch in ihnen stecken.

[…]

Unser Spendenkonto:

IBAN: DE44 7509 0300 0000 0001 08, BIC: GENODEF1M05, Stichwort: Olgastraße

Lesen Sie mehr in unserer Caritas vor Ort 4/14Vom Licht im Schatten

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Strombergstraße 11
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Telefon: 0711 2809-2780
Telefax: 0711 2809-2411
c.roeder-socci[at]caritas-stuttgart.de

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