Nachmittags im Schülerhaus

© sör alex - photocase.de

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Die Herbert-Hoover-Schule ist auf dem Weg zur Ganztagsschule. Das bedeutet für ihre GrundschülerInnen, dass im Schülerhaus nachmittags Betreuung gewährleistet ist.

Von Gisela Vey. Dieser Artikel erschien erstmals in der Caritas vor Ort, Ausgabe 01/2015, Seite 6-7.

Der Gemeinderat hat es beschlossen: Bis 2020 sollen flächendeckend Ganztagsgrundschulen in Stuttgart eingeführt sein. Die Herbert-Hoover-Schule in Freiberg gehört dazu. Derzeit ist sie eine Grundschule sowie eine Werkrealschule (mit Klassen von 1 bis 10), die mit einem Schülerhaus die Ganztagsbildung von morgens 7:15 Uhr bis nachmittags 17 Uhr gewährleistet.

Die Herbert-Hoover-Schule wurde in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut: viel grauer Beton, kaum Grünflächen, vereinzelte Bäume, kein Spielplatz, nur ein betoniertes Feld zum Fußballspielen. Knut Vollmer, der Teamleiter im Schülerhaus, sagt:

„Gerade Grundschulkinder brauchen viel Bewegung, frische Luft und freie Zeit nach der Schule. Das Schulgelände lädt nicht wirklich zum Aufenthalt im Freien ein und das Gebäude ist nur unzureichend darauf ausgerichtet, dass sich hier nachmittags Kinder aufhalten. Da kann man noch viel tun.“

© adina80xx - photocase.de

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So gibt es auch kein extra Schülerhaus – wie der Name suggeriert -, sondern esist in das Schulgebäude integriert. So ist nach Unterrichtsende der Weg ins Schülerhaus kurz, und die Kinder werden dann von den pädagogischen Fachkräften empfangen.

„Wenn die Kinder aus der Schule kommen sind wir als Ansprechpartner für sie da. Sie können erzählen, was gut oder schlecht gelaufen ist, wo es Streit und Unstimmigkeit oder Lob und Anerkennung gab. Wichtig ist eine personale Kontinuität, damit die Kinder Vertrauen zu einer Bezugsperson aufbauen können.“

Knapp 100 SchülerInnen nehmen das Schülerhaus in Anspruch, die anderen gehen nach dem Unterricht nach Hause. Nach Klassenstufen organisiert geht man gemeinsam zum Essen. Der Raum ist ein zur Mensa umfunktioniertes Klassenzimmer, also nicht sonderlich groß, so dass in Schichten gegessen werden muss. Knut Vollmer erläutert:

„Grundlegend ist hier, dass die Kinder gesundes Essen, sprich Gemüse und Obst, kennenlernen und Tischregeln erfahren. Viele kennen keine gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie mehr, und der Umgang mit Messer und Gabel muss häufig geübt werden. Das gemeinsame Essen ist ein Ritual, das Beständigkeit vermittelt, und eine soziale Situation, in der man Zugehörigkeit und Selbstwert erfahren kann“

© Francesca Schellhaas - photocase.de

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Nach dem Mittagessen geht es zurück in die Klassenzimmer, wo die Hausaufgaben zu erledigen sind. Die Kinder sollen sie alleine schaffen, da das morgens Gelernte vertieft und eingeübt werden soll.

„Wir begleiten die Kinder, motivieren und fördern die Lernhaltung, sind aber keine Nachhilfe. Das stößt bei Eltern oft auf Unverständnis. Aber bei Fehlern muss die Schule nacharbeiten. Nur so erfahren die Lehrer den wirklichen Wissensstand der einzelnen Schüler.“

Nach der Pflicht kommt dann endlich auch mal Freizeit für die Kinder.

„In diesem Alter ist freies Spielen wichtig. Die Kinder schließen Freundschaften und geben sich Normen und Regeln für ihr Zusammensein. So können sie sich ausprobieren und entwickeln. Deshalb sollte man auf ein ausgewogenes Verhältnis von freier und verplanter Zeit bei den Kindern achten. Aktivitäten wie Sportverein, Ballett- oder Musikschule sind wichtig, dürfen die Kinder aber nicht überfordern.“

Angebote und Projekte gibt es natürlich auch im Schülerhaus. Diese werden gemeinsam in der Kinderkonferenz beschlossen.

„Wir beteiligen die Kinder und berücksichtigen ihre Interessen. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, aber auch Rücksichtnahme und Respekt vor den Wünschen anderer.“

Die Herbert-Hoover-Schule liegt in Stuttgart-Freiberg, einem Trabantenstadteil mit vielen Hochhäusern und hohem Migrantenanteil. Der Wohnraum ist relativ günstig, und viele Familien leben von Versorgungsleistungen. Einige sind von Wohnungslosigkeit bedroht. Gute Schulbildung, lukrative Jobs und materielle Sicherheit sind selten. Dagegen kommen Arbeitslosigkeit, ein ungeregelter Tagesablauf und finanzielle Schieflagen häufig vor. Gerade hier soll die Ganztagsschule Kindern mehr Chancen bieten: Die Hoffnung ist, dass der Bildungserfolg etwas mehr von der sozialen Herkunft der SchülerInnen entkoppelt werden kann.

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Lesen Sie mehr in unserer Caritas vor Ort 1/15Her mit der Zukunft. Caritas Jugendhilfen

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