Projekt „ZeBra“ im Haus St. Ulrich feiert erstes Jubiläumsjahr

Ältere Menschen mit Migrantionshintergrund finden den Weg in unsere stationäre Altenhilfe

von Valerio Polimeni, Mitarbeiter unseres Projektes “Zugänge erleichtern – Brücken bauen (ZeBra)”

Projektmitarbeiter Valerio Polimeni (Mitte)

Projektmitarbeiter Valerio Polimeni (Mitte) bei Jubiläumsfeier am 2. März

Eine ganze Reihe von Zugangsbarrieren können ältere Menschen mit Migrationshintergrund daran hindern, die Angebote im Bereich der Pflege rechtzeitig in Anspruch zu nehmen. Obwohl die kultursensible Pflege inzwischen Standard in den Pflegeheimen des Caritasverbandes in Stuttgart ist, spielen Sprachbarriere, Informationsdefizite, Rechtsunsicherheit, Kulturunterschiede, ein anderes kulturelles Verständnis zum Thema Gesundheit und Krankheit, aber auch Sorgen hinsichtlich der Finanzierung weiterhin eine große Rolle.

Für viele ältere Menschen mit Migrationshintergrund ist Deutschland auch nach langen Jahren ihres hier Seins fremd geblieben. Deshalb stellt die eigene Wohnung eine Art Schutznische, ein Ort des Rückzugs dar, wo sie sein können wie sie sind, auch wenn diese Wohnung, aufgrund der veränderten gesundheitlichen Situation, für eine adäquate Versorgung nicht mehr geeignet ist.
Diese Wohnung jedoch zu verlassen, um beispielsweise in ein Pflegeheim zu ziehen, fällt ihnen sehr schwer, da sie sich in diesem Fall völlig der Fremde ausgeliefert fühlen. Dies bedeutet für sie oft nicht nur der Verzicht auf ihre eigene Selbstbestimmung, sondern auch auf die eigene kulturelle Identität.

ZeBra5Daher stellen sich die Fragen: Wie können auch ältere Menschen mit Migrationshintergrund von den stationären Einrichtungen der Caritas erreicht werden? Wie erhalten sie Informationen und kompetente Beratung unter Beachtung ihrer Sprache und Kultur?

Der Caritasverband für Stuttgart hat sich diesen Fragen gestellt und 2014 das Projekt ZeBra ins Leben gerufen. Im Hinblick auf die Förderung des Gefühls von Heimat und der Lebenskontinuität zielt das gesamte Konzept darauf ab, ältere hilfs- und pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshintergrund (und ihre Angehörige) frühzeitig wahrzunehmen, sie zu informieren und ihnen niedrigschwellige Zugänge zu den Angeboten der stationären Einrichtungen zu ermöglichen.

Dipl. Sozialarbeiter Valerio Polimeni ist zuständig für Interkulturelle Angebote für ältere MigrantInnen

Doch Ängste überwindet man nur Stück für Stück. Es ist ein Prozess, und es ist ein wichtiges Signal, dass der Caritasverband für Stuttgart damit angefangen hat.
So hat sich am 13. Februar 2014 eine erste Gruppe von zehn älteren Menschen mit Migrationshintergrund zu der Auftaktveranstaltung im Haus St. Ulrich in Stuttgart-Mönchfeld getroffen, um erste Ideen für niedrigschwellige Angebote zu sammeln und sich auszutauschen. Die Ergebnisse und Vorschläge aus diesen Gesprächen sind in einem Konzept eingeflossen, die im Laufe des 3-jährigen Projekts „ZeBra“ umgesetzt werden – inzwischen sind bereits ein Erzählcafé, eine Begegnungs- und Inforeihe, eine Gymnastikgruppe, Angebote mit Gesang, Gedächtnistraining, gemeinsames Kochen, Kegeln u. v. m. entstanden.

Kurt Greschner, Bereichleitung unserer Altenhilfe, spricht ein Grußwort bei der Jubiläumsfeier am 2. März 2015

Kurt Greschner, Bereichleitung unserer Altenhilfe, spricht Grußwort bei Jubiläumsfeier am 2. März

Das Projekt nimmt immer mehr konkrete Gestalt an. Die regelmäßigen Treffen sind gut besucht, es nehmen jeweils 15 bis 20 Personen teil. Es wird ein leicht verständliches Deutsch gesprochen. Am lauten Lachen erkennt man schnell, dass die TeilnehmerInnen viel Spaß miteinander haben. Und was die Gruppe bisher auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen:

• Start einer Vortragsreihe mit dem Thema „Selbstbestimmung durch Vorsorge“, gefolgt von den Themen „Ambulante Pflege“ und „Pflegeversicherung“.
• Beratung und Hausführung, um den Gruppenmitgliedern den Pflegebereich zu erläuten und die Schwellenangst zu nehmen.
• Gesellige Stunden durch gemeinsames Kegeln, Essen und Singen.
• Gründung des Chors „Intermezzo“, der im Haus St. Ulrich beim jeweiligen Geburtstagskaffee der BewohnerInnen singt.
• Regelmäßige Übungen im Rahmen der Sturzprophylaxe und für die allgemeine Fitness.
• Durchführung eines Italienisch-Sprachkurses für Anfänger und Fortgeschrittene.
• Planung eines Besucherdienstes für die Bewohner/innen im Haus St. Ulrich.

ZebRa1Momentan kommen etwa 80 Prozent der TeilnehmerInnen aus Italien, da der Projektmitarbeiter selber gebürtiger Italiener ist. Grundsätzlich richtet sich aber das Angebot an alle älteren Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund, gleich welcher Nationalität.

Zur Jubiläumsfeier am 02.03.2015 kamen u. a. auch Claudia Grimaldi, Abteilung Integration der Landeshauptstadt Stuttgart und Kurt Greschner, Bereichsleitung unserer Altenhilfe, um herzlich zu gratulieren und ein Grußwort zu sprechen.. Für die Gruppe war dies ein schönes Zeichen der Wertschätzung und zugleich Ansporn für die Aktivitäten im zweiten Projektjahr.

Neue Interessierte sind herzlich willkommen!
Wir treffen uns regelmäßig im Haus St. Ulrich, Steinbuttstr. 25, 70378 Stuttgart

Montags 14:00-17.00 in der Begegnungsstätte
Donnerstags 14:00-15:00 im Kegelraum
15:00-17:00 in der Begegnungsstätte

Wegbeschreibung: Linie U7 bis Endhaltestelle Mönchfeld. An der Haltestelle nach rechts laufen und dann immer gerade aus. Nach ca. 5 Minuten kommen Sie direkt auf das Haus zu. Ihr Ansprechpartner ist Valerio Polimeni: v.polimeni[at]caritas-stuttgart.de

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