Nächstenliebe hat Namen und Gesichter

Dieses Mal gibt Edeltraud Herz Auskunft darüber, warum sie ehrenamtlich Bürotätigkeiten im Spendenmarketing übernimmt.

Von Gisela Vey. Dieser Artikel erschien erstmals in der Caritas vor Ort, Ausgabe 02/2015, Seite 10.

S.10_Herz, Edeltraud

Edeltraud Herz

Wenn man an ein Ehrenamt bei einem Träger Sozialer Arbeit denkt, stellt man sich meist Begleitung und Betreuung von Menschen in Notlagen vor. Doch es gibt auch Ehrenamtliche, die administrative Aufgaben übernehmen. Edeltraud Herz ist eine von ihnen. Die 66-Jährige war 24 Jahre lang als Sozialpädagogin beim Caritasverband für Stuttgart beschäftigt und genießt seit Juni 2014 ihren Ruhestand. Seit Oktober 2015 bearbeitet sie einmal pro Woche ehrenamtlich die Spendenanträge, die an „Hilfe für den Nachbarn“ weitergeleitet werden.

„Früher hatte ich beruflich viel mit Menschen in Not zu tun, habe sie beraten, pädagogisch begleitet und betreut. Verwaltungsaufgaben und Umgang mit dem Computer waren eher nebensächlich. Für das Ehrenamt habe ich mir ganz bewusst etwas anderes gesucht, weil ich gern noch Neues lernen möchte. Die Ecxel-Tabellen, mit denen ich nun die Spendendaten speichere, sind schon eine Herausforderung.“

Die Stuttgarter Zeitungen rufen in der Weihnachtszeit mit der Aktion Hilfe für den Nachbarn zu Spenden für Menschen in Not auf. Verteilt wird das zusammengekommene Geld das ganze Jahr über an Bedürftige, die z.B. eine neue Waschmaschine, einen Kühlschrank, ein Bett, Bekleidung oder eine Brille benötigen. SozialarbeiterInnen aller kirchlichen Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände kennen diesen Spendentopf und stellen Anträge für ihre KlientInnen.

Für den Stuttgarter Caritasverband überprüft Edeltraud Herz die Spendenanträge an „Hilfe für den Nachbarn“ auf Sinnhaftigkeit und Vollständigkeit.

„Wenn beispielsweise ein Kostenvoranschlag vergessen wurde, reklamiere ich das intern und kläre evtl. Rückfragen. Nur wenn alle Formulare beieinander sind, geht der Antrag raus. Früher war ich auf der anderen Seite, habe Anträge gestellt und mich über die langen Bewilligungszeiträume gewundert. Heute kenne ich die Hintergründe und die bürokratischen Überprüfungswege. Die Freude, wenn die Zusage dann kommt, ist allerdings geblieben.“

Wie den meisten ehrenamtlich engagierten Menschen ist Edeltraud Herz das Gefühl gebraucht zu werden wichtig. Der regelmäßige Wochentag, an dem sie zwischen fünf und sieben Stunden am Schreibtisch im Spendenmarketing verbringt, bringt Struktur in ihren Alltag. Die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen im Ehrenamt sieht sie für sich im Kontakt zu den Mitarbeitenden des Stuttgarter Caritasverbandes, die sie zum Teil noch als Kollegin kennen oder die sie jetzt neu kennenlernen.

„Ganz wichtig für mich ist, dass ich niemandem den Arbeitsplatz wegnehme. Die Aufgaben wurden vorher auch von einem Ehrenamtlichen erledigt, so dass keine Verwaltungskosten anfallen. Und so kommen die Spenden wirklich zu 100 Prozent Leuten zugute, die sie dringend benötigen. Während meiner Berufstätigkeit habe ich direkt geholfen, nun bin ich eher indirekt beteiligt.“

 

Freiwilligenzentrum Caleidoskop
Brennerstraße 36, 70182 Stuttgart
Telefon: 0711 213216-70

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s