Jung, allein und fremd

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Freies Zimmer im Don-Bosco-Haus

Junge Menschen, die vor Krieg und Not geflüchtet sind, sind in Deutschland oft vollkommen allein, in vielfacher Hinsicht fremd. Sie sprechen nur schlecht Deutsch, sind konfrontiert mit einer Kultur, die sie nicht verstehen. Und manche schaffen es zunächst nicht, brauchen Hilfe. Ein erster Ansprechpartner sind dabei die Fachberatungsstellen und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe im Caritasverband für Stuttgart.

Erstmals erschienen im Jahresbericht 2014/15, Seite 16. Von Sabine Reichle

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Gundula Briem, Fachdienstleitung im Don-Bosco-Haus im Hauseingang

Für die jungen Menschen, die Hilfe suchen, ist die Situation schwer, und auch für die Mitarbeitenden ist die Arbeit mit jungen Migranten eine große Herausforderung. Im Don-Bosco-Haus in der Reinsburgstraße in Stuttgart wohnen junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren. Das Haus verfügt über ein teilstationäres Wohnangebot verbunden mit persönlichen Hilfen. Hier finden junge Erwachsene mit besonderen sozialen Schwierigkeiten einen Ort, von dem aus sie sich neu orientieren können.

Es sind junge Männer, die schon einiges hinter sich haben: Sie kommen oft aus zerrütteten Familien, haben keine Ausbildung, Suchtprobleme und wissen nicht, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Dabei beobachten die Mitarbeitenden im Don-Bosco-Haus, dass immer mehr junge Erwachsene mit psychischen Problemen bei ihnen sind. Sie haben zwar mittlerweile einen Aufenthaltsstatus, doch die meisten von ihnen, die mit so großen Hoffnungen und Erwartungen gekommen sind, stehen hier vor dem Nichts.

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Hinterhaus vom Don-Bosco-Haus

Die Sozialpädagoginnen sind mit Menschen konfrontiert, die ganz andere Probleme mitbringen, als die Bewohner bisher. Sie möchten etwas tun, es fehlt aber oftmals die
notwendige Kompetenz, um das gesetzte Ziel zu erreichen: Sprachliche Hürden, psychische Belastungen und der fremde Kulturkreis erschweren jede Hilfe. Die Sozialpädagoginnen müssen zu ihrer gewohnten Arbeit im Hilfesystem Zusätzliches leisten: Sie müssen lernen, die Menschen zu verstehen, ihnen Brücken in die deutsche Stadtgesellschaft zu bauen, ihnen Dolmetscher zu sein in sprachlicher und vor allem in kultureller Hinsicht.

Auch im Haus Jakobus machen die Mitarbeitenden diese Erfahrung. Die Einrichtung ist ursprünglich konzipiert für Menschen, die in einer schwierigen persönlichen Situation sind, z.B. nach einer Scheidung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes, und vorübergehend Hilfe suchen. In den letzten Jahren hat nun der Anteil an jungen Migranten im Haus deutlich zugenommen. Viele von ihnen sind traumatisiert durch Vertreibung und Flucht. Die jungen Menschen wissen oft ihre Angehörigen noch in den Kriegs- und Krisengebieten, was für sie eine zusätzliche emotionale Belastung bedeutet. Sie können kaum Deutsch, fühlen sich fremd und kennen sich auch im deutschen Hilfe- und Rechtssystem nicht aus. Die persönliche Situation wird häufig dadurch erschwert, dass aufenthaltsrechtliche Gesichtspunkte nicht geklärt sind.

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Mitarbeitende vom Don-Bosco-Haus

Die Mitarbeitenden im Don-Bosco-Haus und dem Haus Jakobus versuchen, so gut wie möglich zu helfen. Sie leisten dabei wichtige Netzwerkarbeit, um möglichst alle Akteure, die für Hilfeleistungen in Frage kommen, zusammenzuführen. Langfristig aber müssen Einrichtungen geschaffen werden, die auf die besonderen Bedürfnisse der jungen Migranten eingestellt sind. Was zudem fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum, mehr und längere Deutschkurse und auch Zeit, die die jungen Migranten benötigen, um sich auf ein Leben in einer neuen Kultur und Gesellschaft einzustellen.

Weitere Bilder vom Don-Bosco-Haus im Facebook-Fotoalbum, Fotos: Ansgar Skoda (as)

Lesen Sie mehr in unserem Jahresbericht 2014/15.

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Ihre Ansprechpartnerin für kostenlose Bestellungen:
Christine Röder-Socci
Caritasverband für Stuttgart e.V.
Sozialmarketing
Strombergstraße 11
70188 Stuttgart
Telefon: 0711 2809-2780
Telefax: 0711 2809-2411
c.roeder-socci[at]caritas-stuttgart.de

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