Zukunft der Mobilen Jugendarbeit in Stuttgart

Foto (c) Joachim E. Röttgers Graffiti

Im September 2013 wurde das Forschungsprojekt „Zukunft der Mobilen Jugendarbeit in Stuttgart – Strategische Ausrichtung und theoretische Fundierung“ gestartet. Ziel des Projekts ist eine aktuelle Konzeption. Dieser Konzeptions-entwicklungsprozess wurde durch das Institut für angewandte Sozialwissenschaften (IfaS) an der Dualen Hochschule Stuttgart wissenschaftlich begleitet.

Erstmals ungekürzt erschienen im Jahresbericht 2014/15, von Prof. Dr. Thomas Meyer, Clara Strähle und Christina Kieslinger vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften (IfaS) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart

Die Mobile Jugendarbeit besteht seit nunmehr einem halben Jahrhundert in Stuttgart und sie ist in der regionalen Jugendhilfelandschaft als wichtige Infrastrukturleistung für benachteiligte Jugendliche nicht mehr wegzudenken. Entwickelt wurde der Ansatz zunächst als Reaktion auf stadtteilbezogene Probleme mit delinquenten und/oder randständigen Jugendlichen.

Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre bringt es jedoch mit sich, dass sich einerseits der Alltag und die Lebensbedingungen junger Menschen nachhaltig verändert haben. Andererseits sehen sich die Fachkräfte der Mobilen Jugendarbeit auch einer Vielfalt an Entwicklungen gegenüber, was die Zielgruppen und die damit in Verbindung stehenden Problemlagen betrifft.

Foto (c) Joachim E. Röttgers Graffiti

Die zentralen Herausforderungen für die Mobile Jugendarbeit in Stuttgart lassen sich auf zwei Ebenen festmachen. Erstens die Veränderungen in der Lebenswelt von jungen Menschen, die insbesondere das Freizeitverhalten junger Menschen beeinflusst haben:

• Die zunehmende Dominanz internetgestützter Kommunikation führt zu einem fundamentalen Wandel jugendkulturellen Freizeitverhaltens. Jugendliche müssen sich nicht mehr zu zentralen Orten begeben, um dort Gleichaltrige zu treffen. Sie verabreden sich, häufig spontan, mittels elektronischer Kommunikation.

• Im Zuge des Ausbaus von Ganztagesschulen wird die Schule zu einem dominierenden Aufenthaltsort für Jugendliche.

• Der Auf- und Ausbau von Shopping- und Event-Zentren, vor allem in innerstädtischen Räumen, scheint eine enorme Anziehungskraft für Jugendliche zu besitzen. Shopping-
Malls oder Party-Meilen sind gern besuchte Treffpunkte und Aneignungsräume für viele Jugendliche. Damit verlieren andere Freizeitorte ihre Attraktivität, was sich auch auf die aufsuchende Arbeit der Streetworker/innen auswirkt.

Zweitens die Veränderung der Zielgruppe und der Probleme junger Menschen. Hierbei sind zwei verschiedene Entwicklungen zu beobachten:

Foto (c) Joachim E. Röttgers Graffiti

• In Verbindung mit den aktuellen Entwicklungen in der Schullandschaft wird sich der „Zuschnitt“ der klassischen Zielgruppe Mobiler Jugendarbeit verändern. So bringen es die zunehmende Auflösung von Hauptschulen und der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung mit sich, dass der Personenkreis auf den weiterführenden Schulen heterogener sein wird als bisher. Der Umgang mit Jugendlichen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten und mit vielfältigen Problemen sowie der Leistungsdruck werden den Lebensort Schule nachhaltig beschäftigen. Für die Mobile Jugendarbeit reichen herkömmliche Definitionskriterien wie „Hauptschüler/in“, „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ oder „von Armut betroffene junge Menschen“ nicht mehr aus, die Zielgruppe der benachteiligten Jugendlichen adäquat zu bestimmen.

• Zudem gibt es ganz konkrete Hinweise auf Veränderungen bzw. Erweiterungen der „klassischen“ Zielgruppen Mobiler Jugendarbeit. Dies ist zum einen die zunehmende Verjüngung der Zielgruppe. Bereits ältere Kinder zeigen aktuell jugendtypische und mitunter riskante Verhaltensweisen und suchen aktiv die Unterstützung der Fachkräfte. Zum anderen zeichnet sich ein konkreter Bedarf an (neuen) speziellen, zielgruppenorientierten Angeboten ab. Zu nennen sind junge Flüchtlinge, aber auch hoch deviante und/ oder radikalisierte Jugendliche, beispielsweise islamistische Strömungen oder Jugendgangs.

[…]


Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden vor Ort sowie der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart, das katholische Stadtdekanat Stuttgart und die Fachverbände Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V. und der Caritasverband für Stuttgart e.V. sind Träger der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart.

Mit insgesamt 82 Mitarbeitenden in 18 Teams und an 58 Schulstandorten ist die Mobile Jugendarbeit stadtweit aktiv. Im Jahr 2014 wurden 2754 Jugendliche erreicht.


 

Lesen Sie u.a. erste Ergebnisse aus dem Konzeptionsentwicklungsprozess in unserem Jahresbericht 2014/15.

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Caritasverband für Stuttgart e.V.
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Strombergstraße 11
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Telefon: 0711 2809-2780
Telefax: 0711 2809-2411
c.roeder-socci[at]caritas-stuttgart.de

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